Bodengleiche Dusche nachrüsten: Kostencheck für Altbau, Neubau und Mietwohnung
Eine bodengleiche Dusche scheitert selten am Wunsch, sondern oft an Aufbauhöhe, Abdichtung und Kosten. Wer in einem deutschen Bad von 4 bis 8 m² eine alte Wanne oder hohe Duschtasse ersetzen will, sollte vor dem ersten Fliesenkauf klären, ob Bodenaufbau, Gefälle und Mietrecht mitspielen.
Dieser Kostencheck zeigt typische Preisbereiche in EUR, realistische Maße und die Punkte, an denen Angebote in der Praxis deutlich teurer werden.
Auf einen Blick
- Realistische Gesamtkosten: ca. 3.800 bis 9.500 EUR für eine bodengleiche Dusche inklusive Rückbau, Abdichtung, Ablauf, Fliesen und Montage.
- Wichtige Maße: komfortabel sind 90 x 120 cm, kompakt funktionieren 80 x 100 cm, barrierearm wird es ab ca. 120 x 120 cm besser.
- Normen und Regeln: Abdichtung nach DIN 18534 ist Pflicht, bei barrierefreier Planung hilft DIN 18040-2 als Orientierung.
- Mietwohnung: Ohne schriftliche Zustimmung des Vermieters sollten Sie keine Wanne entfernen und keine Leitungen verändern lassen.
Kostenüberblick: Was kostet eine bodengleiche Dusche wirklich?
Für eine einfache Nachrüstung in einem Neubau-Bad mit ausreichender Aufbauhöhe liegen die Kosten häufig zwischen 3.800 und 5.800 EUR. In einem Altbau mit Holzbalkendecke, dünnem Estrich oder ungünstigem Abfluss können 6.500 bis 9.500 EUR realistisch sein.
Der größte Kostentreiber ist nicht die Glaswand, sondern der Unterbau. Eine bodengleiche Dusche braucht ein sicheres Gefälle von meist etwa 1,5 bis 2 Prozent zum Ablauf. Bei 120 cm Duschtiefe bedeutet das rund 1,8 bis 2,4 cm Höhenunterschied, der konstruktiv sauber gelöst werden muss.
Für ein Bad mit 5,5 m² in einer typischen Mietwohnung oder Eigentumswohnung sollten Sie außerdem mit Nebenarbeiten rechnen: Türzarge schützen, Staubschutz aufbauen, alten Fliesenspiegel anpassen und Übergänge zum Bestandsboden sauber herstellen. Häufig sehen wir bei Kunden, dass genau diese Randarbeiten im ersten Angebot fehlen.
Typische Preisbestandteile
- Rückbau alte Duschwanne oder Badewanne: 350 bis 1.200 EUR
- Duschboard mit Gefälle oder Estrichlösung: 450 bis 1.500 EUR
- Ablaufrinne oder Punktablauf inklusive Einbau: 280 bis 900 EUR
- Verbundabdichtung nach DIN 18534: 350 bis 900 EUR
- Fliesen, Zuschnitt und Verlegung im Duschbereich: 900 bis 2.400 EUR
- Glas-Duschwand, 8 mm Sicherheitsglas: 450 bis 1.400 EUR
- Armatur, Brauseset, Kleinteile: 250 bis 1.200 EUR
Wer gleichzeitig die komplette Badfläche neu fliesen lässt, muss anders rechnen. Dann können für ein 6 m² Bad schnell 10.000 bis 18.000 EUR zusammenkommen, je nach Leitungsarbeiten, Sanitärobjekten und Fliesenqualität. Mehr zur Reihenfolge größerer Arbeiten passt in einen eigenen Ratgeber zu Badezimmer renovieren Reihenfolge.
Micro-BOM: Beispielrechnung für 90 x 120 cm Dusche
Die folgende Micro-BOM zeigt eine bodengleiche Dusche mit 90 x 120 cm in einer Eigentumswohnung, bei der der Abfluss bereits in der Nähe liegt. Die Preise sind übliche Marktwerte für Deutschland inklusive Material, aber ohne Luxusarmaturen.
| Position | Typische Ausführung | Kosten |
| Rückbau | alte 90 x 90 cm Duschtasse, Entsorgung, Staubschutz | 650 EUR |
| Unterbau und Ablauf | Duschboard mit Gefälle, Punktablauf, Anpassung Abfluss | 1.250 EUR |
| Abdichtung | Verbundabdichtung, Dichtbänder, Manschetten nach DIN 18534 | 620 EUR |
| Fliesenarbeiten | Feinsteinzeug R10, Zuschnitt, Verlegung, Fugen | 1.750 EUR |
| Glas und Armatur | Walk-in Scheibe 100 cm, Thermostat, Brauseset | 1.280 EUR |
| Summe | ohne komplette Badsanierung | 5.550 EUR |

Die vier Kostenstufen: Von einfacher Lösung bis barrierearm
Nicht jede bodengleiche Dusche ist automatisch barrierefrei. Eine optisch flache Dusche kann eine kleine Kante von 1 bis 2 cm haben, während eine rollstuhlgerechte Lösung mehr Bewegungsfläche, rutschhemmende Beläge und passende Armaturen braucht.
1. Flache Duschwanne statt echter Bodengleichheit
Die günstigste Variante ist oft eine sehr flache Duschwanne mit 2 bis 4 cm Einstieg. Sie kostet inklusive Einbau meist 2.500 bis 4.500 EUR. Das ist sinnvoll, wenn die Aufbauhöhe im Bestand nicht reicht oder der Vermieter keine tiefen Eingriffe erlaubt.
Der Nachteil: Optisch wirkt sie weniger ruhig als eine geflieste Fläche. Außerdem bleibt eine kleine Schwelle, die für ältere Nutzer oder bei Gehhilfen stören kann.
2. Gefliestes Duschboard mit Punktablauf
Diese Lösung ist in vielen Neubauwohnungen und jüngeren Bädern die Standardvariante. Das Gefälle ist im Duschboard bereits vorgeformt, der Fliesenleger kann sauber anschließen. Kostenpunkt: meist 4.000 bis 6.500 EUR.
Wichtig ist die Fliesengröße. Bei einem Punktablauf lassen sich Mosaikfliesen oder Formate bis etwa 10 x 10 cm leichter im Gefälle verlegen. Große Platten wie 60 x 60 cm benötigen entweder passende Gefälleschnitte oder eine Linienentwässerung.
3. Ablaufrinne an Wand oder Eingang
Eine Linienentwässerung wirkt hochwertig und ermöglicht oft größere Fliesenformate. Rechnen Sie mit 400 bis 1.100 EUR allein für eine gute Rinne plus Einbau. Insgesamt landen solche Duschen häufig bei 5.500 bis 8.500 EUR.
In der Praxis ist eine wandnahe Rinne wartungsfreundlicher als eine Rinne direkt am Einstieg, weil Spritzwasser besser kontrolliert wird. Gleichzeitig muss der Anschluss an die Wandabdichtung sehr sauber ausgeführt werden.
4. Barrierearme Dusche nach DIN 18040-2 orientiert
Für altersgerechtes Wohnen ist eine Fläche von 120 x 120 cm deutlich besser als 90 x 90 cm. DIN 18040-2 nennt für rollstuhlgerechte Duschplätze größere Bewegungsflächen, in normalen Wohnungen wird oft zumindest barrierearm geplant.
Mit Klappsitz, Haltegriffen, Thermostatarmatur, rutschhemmenden Fliesen und stabiler Unterkonstruktion sind 7.000 bis 12.000 EUR möglich. Dafür steigt der Komfort erheblich, besonders in Wohnungen, in denen die Nutzer langfristig bleiben möchten.
Altbau, Neubau, Mietwohnung: Wo die Kosten kippen
In einer 75 m² Altbauwohnung in Hamburg, Baujahr um 1910, findet man oft kleine Bäder von 4 bis 6 m², nachträglich eingezogene Abwasserleitungen und unebene Böden. Wenn die vorhandene Duschwanne auf einem Sockel steht, ist das ein Warnzeichen: Der Abfluss liegt möglicherweise zu hoch für eine wirklich bodengleiche Lösung.
Typischer Fehler in deutschen Altbauwohnungen: Die alte Wanne wird herausgerissen, bevor die Ablaufhöhe geprüft ist. Danach zeigt sich, dass für das notwendige Gefälle entweder die Decke geöffnet, ein Pumpensystem eingesetzt oder eine flache Schwelle akzeptiert werden muss.
Im Neubau ist die Situation oft günstiger. Bei Estrichhöhen von 7 bis 10 cm und moderner Sanitärplanung lässt sich ein Duschboard besser integrieren. Trotzdem muss die Abdichtung stimmen, denn Wasserschäden im Mehrfamilienhaus führen schnell zu hohen Folgekosten und Streit mit der Gebäudeversicherung.
In der Mietwohnung ist das Mietrecht entscheidend. Das Entfernen einer Badewanne, das Verlegen von Leitungen und das Eingreifen in Estrich oder Abdichtung sind bauliche Veränderungen. Dafür brauchen Sie eine schriftliche Genehmigung des Vermieters, idealerweise mit Regelung zur Rückbaupflicht.
Wenn nur eine austauschbare Glaswand oder eine neue Armatur montiert wird, ist die Lage einfacher. Sobald aber Fliesen abgeschlagen werden, sollte nichts ohne Zustimmung passieren. Für Mieter lohnt sich deshalb oft eine Lösung mit flacher Duschwanne statt kompletter Bodengleichheit.
Wer mehrere Angebote einholt, sollte dieselben Angaben machen: Badgröße in m², gewünschtes Duschmaß, Lage des Fallrohrs, Fotos vom Bestand und ob Wand- oder Bodenfliesen erhalten bleiben sollen. So werden die Angebote vergleichbarer. Details zu Fugen, Rutschhemmung und Belägen finden Sie auch unter rutschfeste Fliesen im Bad.
Material, Abdichtung und Technik: Nicht an der falschen Stelle sparen

Die Abdichtung ist der unsichtbare Teil, aber der wichtigste. In Bädern gilt DIN 18534 für die Abdichtung von Innenräumen. Im Duschbereich müssen Ecken, Rohrdurchführungen und Übergänge mit Dichtbändern und Manschetten sauber ausgeführt werden.
Erfahrungsgemäß lohnt sich eine einfache Fotodokumentation während der Arbeiten. Lassen Sie sich vor dem Fliesenlegen zeigen, dass Dichtbänder, Wandanschlüsse und Bodenfläche vollständig vorbereitet sind. Bei Eigentumswohnungen ist das auch für spätere Nachweise hilfreich.
Fliesen und Rutschhemmung
Für den Duschboden sind rutschhemmende Oberflächen sinnvoll. Viele Feinsteinzeugfliesen kosten 30 bis 70 EUR pro m², hochwertige Serien liegen bei 80 bis 130 EUR pro m². Kleine Formate bieten durch mehr Fugen oft besseren Halt, sind aber reinigungsintensiver.
Bei großen Fliesen müssen Gefälle und Zuschnitt exakt passen. Ein Duschbereich von 90 x 120 cm mit vier Gefälleflächen ist für große Platten anspruchsvoll. Das erhöht die Lohnkosten, weil mehr geplant, geschnitten und angepasst werden muss.
Glas, Spritzschutz und Bewegungsfläche
Eine Walk-in Scheibe sollte nicht zu kurz sein. Bei einer offenen Dusche sind 100 bis 120 cm Glaslänge oft sinnvoll, sonst steht nach jedem Duschen Wasser im Bad. In einem 5 m² Bad kann aber eine 120 cm Scheibe den Durchgang blockieren.
Für Sicherheitsglas mit Beschichtung liegen die Kosten meist bei 500 bis 1.500 EUR. Maßanfertigungen mit Schrägschnitt, etwa unter einer Dachschräge, können 1.800 EUR und mehr kosten.
Ablaufleistung und Schallschutz
Der Ablauf muss zur Armatur passen. Eine große Regendusche liefert mehr Wasser als ein einfaches Handbrauseset. Wenn der Ablauf zu klein dimensioniert ist oder das Rohrgefälle nicht ausreicht, staut sich Wasser trotz bodengleicher Optik.
In Mehrfamilienhäusern spielt auch Schallschutz eine Rolle. Leitungen, Duschrinne und Befestigungen sollten entkoppelt werden, damit Laufgeräusche nicht in die Nachbarwohnung übertragen werden. Wer ohnehin saniert, sollte den Schallschutz im Badezimmer mitdenken.
So prüfen Sie Angebote und vermeiden Nachträge
Ein gutes Angebot nennt nicht nur eine Pauschale, sondern beschreibt Aufbau, Abdichtungssystem, Ablaufmodell, Fliesenfläche und Nebenarbeiten. Vorsicht bei sehr knappen Angeboten unter 3.000 EUR für eine echte bodengleiche Dusche im Bestand. Oft fehlen dort Abdichtung, Entsorgung, Silikonfugen oder Anpassung der Rohrleitungen.
Fragen Sie konkret nach der Aufbauhöhe. Der Handwerker sollte erklären können, wie viel Platz zwischen Rohdecke und fertigem Boden vorhanden ist und welches Gefälle erreicht wird. Bei Holzbalkendecken im Altbau ist zusätzlich zu klären, ob Feuchtigkeitsschutz und Tragfähigkeit passen.
Planen Sie eine Reserve von 15 bis 25 Prozent ein. Bei kalkulierten 5.500 EUR bedeutet das 825 bis 1.375 EUR Puffer. Dieser Puffer ist nicht pessimistisch, sondern realistisch, wenn alte Fliesen, verdeckte Leitungen oder schiefe Wände ins Spiel kommen.
Förderungen sind ein Sonderfall. Für altersgerechte Umbauten gab es in Deutschland zeitweise KfW-Programme, deren Verfügbarkeit sich ändern kann. Prüfen Sie vor Vertragsabschluss die aktuellen Bedingungen direkt bei offiziellen Stellen und verlassen Sie sich nicht auf alte Prospekte.
Aus eigener Erfahrung ist die beste Reihenfolge: erst technische Machbarkeit, dann Budget, dann Design. Wer zuerst die teure Armatur auswählt, kürzt später häufig an Abdichtung oder Glas, und genau dort sollte nicht gespart werden.
Zusammenfassung
- Prüfen Sie zuerst Aufbauhöhe, Abflusslage und Gefälle, bevor Sie eine bodengleiche Dusche bestellen.
- Rechnen Sie für eine 90 x 120 cm Dusche im Bestand meist mit 4.000 bis 8.500 EUR.
- Planen Sie bei Altbau, Holzbalkendecke oder hohem Bestandsabfluss einen zusätzlichen Puffer ein.
- Bestehen Sie auf Abdichtung nach DIN 18534 mit Dichtbändern, Manschetten und dokumentiertem Aufbau.
- In Mietwohnungen immer schriftliche Zustimmung des Vermieters einholen, bevor Fliesen, Estrich oder Leitungen verändert werden.
- Wählen Sie rutschhemmende Fliesen und ausreichend Glaslänge, damit Komfort und Alltagstauglichkeit stimmen.
- Vergleichen Sie Angebote nur, wenn Rückbau, Entsorgung, Abdichtung, Ablauf, Fliesen und Montage vollständig enthalten sind.
Häufige Fragen
Was kostet eine bodengleiche Dusche im Altbau?
Im Altbau liegen die Kosten meist zwischen 5.500 und 9.500 EUR, wenn Rückbau, neuer Ablauf, Abdichtung und Fliesenarbeiten enthalten sind. Wird die Decke geöffnet oder eine Sonderlösung für den Abfluss nötig, kann es teurer werden.
Welche Mindestgröße sollte eine bodengleiche Dusche haben?
Als komfortabel gelten etwa 90 x 120 cm. Sehr kleine Lösungen mit 80 x 100 cm funktionieren, spritzen aber schneller in den Raum und bieten weniger Bewegungsfreiheit.
Ist eine bodengleiche Dusche in der Mietwohnung erlaubt?
Nur mit Zustimmung des Vermieters, sobald Fliesen, Estrich, Leitungen oder Sanitärobjekte dauerhaft verändert werden. Lassen Sie Genehmigung, Ausführung und mögliche Rückbaupflicht schriftlich festhalten.
Welche Norm ist bei der Abdichtung wichtig?
Für die Abdichtung in Innenräumen ist DIN 18534 maßgeblich. Besonders im Duschbereich müssen Wand-Boden-Anschlüsse, Rohrdurchführungen und Ecken zuverlässig abgedichtet werden.
Ist eine Ablaufrinne besser als ein Punktablauf?
Eine Ablaufrinne wirkt hochwertig und erleichtert größere Fliesenformate, kostet aber mehr und muss sehr sauber eingebaut werden. Ein Punktablauf ist günstiger und robust, passt aber besser zu kleineren Fliesen oder Gefälleschnitten.
Wie lange dauert der Umbau?
Für den Austausch einer alten Dusche gegen eine bodengleiche Lösung sollten Sie meist 5 bis 10 Arbeitstage einplanen. Trocknungszeiten, Fliesenarbeiten und unerwartete Leitungsanpassungen können den Ablauf verlängern.
